Zukunftsforschung

Das Leben findet einen Weg

26. September 2018

“Your scientists were so preoccupied with whether or not they could, they didn’t stop to think if they should.” - Alan Grant

Kennen Sie die Filme der Jurassic Park - Saga?

Nun, ich habe mir gerade letzte Woche nach langer Zeit mal wieder den ersten Teil angesehen und muss sagen, dass ich im Laufe der Jahre viele Dinge des Films wieder vergessen hatte. Kein Wunder, lief er doch vor über 20 Jahren zum ersten Mal im Kino.

Hier kurz zur Hauptaussage des Films: Der Film thematisiert und kritisiert eine ungezügelte Wissenschaft in einer nicht allzu fernen Zukunft, bei der es Wissenschaftlern durch Fortschritte auf dem Gebiet der Gentechnik möglich ist, lebende Dinosaurier zu kreieren und somit Gott zu spielen. Die Tiere werden dann in in einem Park, dem sogenannten Jurassic Park, auf einer abgelegenen Insel Besuchern vorgeführt, da man der Meinung ist, die Urzeitwesen mit Zaun und Strom kontrollieren zu können. Doch den Dinosauriern gelingt es aus ihren Gehegen auszubrechen, wodurch für die Hauptcharaktere ein Kampf um Leben und Tod beginnt, um von der Insel zu entkommen.

Wenn Sie die Nachrichten in der Presse über CRISPR und andere Fortschritte in der Biotechnologie mitverfolgt haben, wird klar, wie nah die reale Wissenschaft sich bereits auf dem Gebiet der genetischen Bearbeitung von Genen und Züchten von Lebewesen der von Jurassic Park angenähert hat. Das CRISPR Verfahren ist ein Prozess aus der Biotechnologie, bei welchem einzelne Bausteine der DNA eines Lebewesens gezielt verändert werden können. Forscher versprechen sich davon neue Möglichkeiten der Heilung im Kampf gegen Krankheiten, wie z.B. Aids, Krebs sowie einiger erbbedingter Krankheiten. Das CRISPR Verfahren lässt sich aber auch bei der Züchtung von Pflanzen und Tieren verwenden. Und genau hier setzt die Kritik von Jurassic Park an, weil sie uns die Gefahren einer genetischen Manipulation von Lebewesen aufzeigt.

Dinosaurier werden lebendig

Der Film Jurassic Park startet mit der Hintergrundgeschichte. Zu Beginn des Films lernen wir zunächst die Wissenschaftler und ihre Methoden kennen, durch welche die vor Millionen Jahren ausgestorbenen Dinosaurier wieder zum Leben zu erweckt werden. Auf großartige und realistische Weise wird erläutert, wie es im Detail möglich gemacht wurde die Urzeitkreaturen zurückzubringen:

Einige Urzeitmücken wurden kurz nachdem sie damals von einem Dinosaurier Blut gesaugt haben vom Harz eines Baums eingeschlossen. Dadurch wurden nicht nur sie, sondern auch das Dinosaurier Blut über Millionen Jahre perfekt konserviert. Nachdem nun die Wissenschaftler im Film aus den in Bernstein eingeschlossenen Mücken das Blut und somit die darin enthaltene Dinosaurier DNA extrahierten, waren sie im Besitz der Blaupause eines Dinosaurier und besaßen dann das Gen, den Schlüssel also, um sie im Labor wieder zum Leben zu erwecken. Dazu fügten sie das isolierte Gen in Vogelembryonen ein, welche die nächsten Verwandten der Dinosaurier sind.

Offensichtlich funktionierte diese Methode im Film und es lebten Dutzende von Dinosauriern mehrerer Arten im eigens dafür kreierten Park. Von den friedlichen Triceratops, dem aggressiven T-Rex, dem riesigen, langhalsigen Brachiosaurus bis hin zu den listigen Velociraptoren, waren viele berühmte Dinosaurier im Park für Besucher zu besichtigen.

Die Leute, die den Film gesehen haben, erinnern sich mit Sicherheit noch an die Velociraptoren. Erinneren Sie sich z.B. noch an die Küchenszene, in der sich die zwei Kinder des Parkdirektors in den Küchenschränken vor den ausgebrochenen Velociraptoren verstecken mussten? Wegen dieser Szene hatte ich noch Jahre nach dem ich den Film geschaut hatte Angst. Es war einfach so beängstigend zuzusehen, wie knapp die Kinder aus der Küche entkamen, bevor die Velociraptoren sie schnappen konnten.

Während des Films bekamen die Zuschauer vor Augen geführt, dass wir die Zukunft der Wissenschaft nicht vorhersagen können. Passend drückte es hierzu im Film der Mathematiker Dr. Ian Malcolm aus: "Alles ist chaotisch." Laut ihm kann ein Schmetterling einen Wettersturm auslösen. Und obwohl dies nie bewiesen wurde, hat er, meiner Meinung nach, völlig Recht. Wir können die Zukunft nicht vorhersagen. Warum? Weil wir auch schon in der Vergangenheit nicht in der Lage waren, die Zukunft vorherzusagen. Henry Ford sagte dazu einmal, dass wenn er die Leute gefragt hätte, sie damals schnellere Pferde anstatt Autos prognostiziert hätten. Heutzutage besitzt fast jede Familie ein Auto und kein Pferd mehr.

Murphys Gesetz

Die Zukunft ist eine Kette kleiner Ereignisse der Vergangenheit. Diese Kette wird nach Jahren so lang, dass kleine Bewegungen in einem Jahr die Zukunft völlig verändern werden. Jurassic Park leistet einen fantastischen Beitrag, die Auswirkungen kleiner Dinge auf die Zukunft aufzuzeigen. Jedes einzelne Individuum der Dinosaurier wurde als Weibchen entworfen, so dass sich jede Spezies im Park nicht fortpflanzen konnte. Aber eine kleine Unachtsamkeit bei der Erschaffung ermöglichte eine Mutation von dessen DNA, wodurch sich einige Individuen zu Männchen transformierten. Jede Population konnte sich von da an reproduzieren und tat dies auch.

Der Film enthält großartige Actionszenen, die mit chaostheoretischen Erklärungen verzerrt werden. Wer wird schon nach dem Film denken: Wie großartig, lasst uns unseren eigenen Jurassic Park starten. Sie glauben nicht, dass das passieren würde?

Wissenschaftler arbeiten genau in diesem Moment daran, Mammuts zurückzubringen. Wie weit sie dabei bereits gekommen sind? Sie extrahierten die DNA eines Mammuts, dessen Körper jahrtausendelang in einem Gletscher tiefgekühlt perfekt konserviert war. Bei der Analsyse der DNA erkannten sie, dass diese DNA der der von Mammuts noch heute lebenden Verwandten, den Elefanten, sehr ähnlich ist. Die Wissenschaftler werden, wie in Jurassic Park, durch CRISPR versuchen ein lebendes Mammut zu erschaffen, indem sie ein im Labor gezüchtetes Embryo einer Elefantenmutter einpflanzen.

Als ich das zum ersten Mal hörte, war ich begeistert. Nicht weil ich ein Mammut im Zoo sehen will, sondern, weil so etwas - was auf den ersten Blick so unmöglich erscheint - Realität wird. Und deshalb arbeiten die Wissenschaftler daran. Sie wollen beweisen, dass so etwas doch möglich ist. Vielleicht ist die Welt, in der wir gerade leben, nicht der perfekte Lebensraum für ein Mammut - denken Sie an die globale Erwärmung. Auf der anderen Seite wird die Wissenschaft das tun, was sie kann: Die Grenzen der Möglichkeiten und somit der Realität verschieben.

Der Mammutpark

In der Tat könnten wir also in Zukunft einen Jurassic Park besuchen. Das Gute daran ist, dass die Geschichte des Films sich im wirklichen Leben wahrscheinlich nicht wiederholen wird. Die Dinosaurier-DNA ist Millionen von Jahren älter als die Mammut-DNA und zu stark entartet. Wissenschaftler werden sie deshalb nicht rekonstruieren und lebende Dinosaurier daraus züchten können. Ein Park voller Mammuts ist zum Glück viel sicherer. Oder etwa nicht?


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